Woher kommt der Name Frauenwald?

Sage & Chronik
von Frauenwald.

In unmittelbarer Nähe der alten Grenzstraße, des Rennsteig, liegt der staatlich anerkannte Erholungsort Frauenwald, langgestreckt nahezu auf der höchsten Höhe des Gebirges. Meilenweite Fichten- und Buchenwälder umschließen die Flur, und reichen sogar bis an seine Straßen.

Fast eben verläuft der Kamm, laufen die Wege, stundenweit wandert das Auge und ahnt schon die Möglichkeiten eines bequem begehbaren Geländes, oder aber es locken die steilen An- und Abstiege, deren alpines Gepräge man hier gar-nicht vermutet hat. 800 Meter hoch liegt dieser Ort. Die Luft ist sauber, staubarm, erfrischend und wird von keiner Industrie verschlechtert; selbst in den heißesten Tagen sorgt ein leises Lüftchen für die notwendige Erfrischung.

Die Sage über die Entstehung des Ortes Frauenwald bezieht sich zwar auf das Jahr 1177, wo Graf Poppo von Henneberg sich bei der Jagd verirrte, und von einem Köhler aufgefunden wurde. Dieser brachte ihn auf die Erfurt-Nürnberger Geleitstraße zurück. Der Graf war froh, wieder bei den Seinen zu sein und gestattete dem armen Köhler einen Wunsch zu äußern. Dieser wünschte sich an dieser Stelle eine kleine Kapelle, damit er wenigstens auch einmal ein Gebet sprechen könne. Dieser Wunsch wurde erfüllt, die Kapelle nach dem Schutzheiligen der Fuhrleute, die Nikolauskapelle genannt.

Seinen Ursprung verdankt Frauenwald einer der wichtigsten Straßen des östlichen Thüringer Waldes. Der Erfurt-Nürnberger bzw. Erfurt-Würzburger Geleitstraße, die von Ilmenau kommend über den Kamm des Sonneberges weiter nach Nürnberg führte.

An dieser Straße, auf dem Sonneberg, stand nun die gespendete Kapelle, die von Graf Poppo von Henneberg 1218 an das Kloster Veßra übertragen wurde. Das dürfte die erste Erwähnung überhaupt sein. Die Kapelle hat also bereits im Jahre 1218 bestanden. Kloster Veßra baute sie dann zu einer Probstei mit Frauenstift aus. Dem ersten chronokalischen Beleg von 1218 folgt der erste urkundliche Nachweis vom Jahre I 323.

Syfridus, Probst zu Veßra, verkaufte der Kirche des heiligen Nikolaus und dem dortigen Nonnenkollegium des Prämonstratenser Ordens zwei Güter, und zwar in Rentwertshausen und Hinternah. Das Frauenstift heißt deshalb nicht „zum Frauenwald”, wie es insgeheim ausgesprochen wurde und den Anschein erhebt, als sei es der lieben Mutter Gottes, Frau Maria genannt worden. Es muß heißen: „zu den Frauen” also zu den Nonnen auf dem Walde. Wie das jetzige Schleusingerneundorf Anno 1406 „das neue Dorf unter den Frauen” genannt wurde.

Daher also der Name zu den Frauen, zuletzt „Frauenwald”. Das vorher erwähnte Kloster muß man sich sehr klein vorstellen. Vielleicht war es ein Fachwerkhaus mit Lehmfüllung und einem Schindeldach, daneben eine kleine Kirche gleicher Bauart. Und vermutlich standen Kloster und Kirche am gleichen Platz, wo sich heute die Kirche und das Pfarrhaus befindet. Um Kloster und Kirche haben sich dann im Laufe der Jahre die Bewohner angesiedelt. Wenn auch zum Teil die ersten Siedler Fuhrleute und Kaufherren waren, so ist doch wahrscheinlich, daß die meisten von Süden aus dem fränkischen Henneberg gekommen sind. Wie auch die Geschichte der Besiedlung des Thüringer Waldes zeigt.

Nur wenige dürftige Hütten wurden für die ersten Bewohner, wie Waldarbeiter, Schmiede und Bergleute gebaut. Auch kann bis in die Reformationszeit hinein die Zahl dieser Holz- und Bergleute nicht groß gewesen sein. Das Kloster und die hiesige Einsiedelei fanden in der Reformationszeit ihr Ende. Der Ort hatte 1500 etwa 130 Einwohner und war der erste kirchliche Mittelpunkt auf den Höhen des Thüringer Waldes. Bereits im 16. Jahrhundert gehörten die Orte Schmiedefeld, Vesser und der thüringische Teil von Stützerbach kirchlich zu Frauenwald und wurden von hier verwaltet.

Wissenswertes zur Historie

Ab 1949 begann der Kurbetrieb sich wieder langsam zu entwickeln. 200 Gäste im Jahr, so fing es wieder an. Nun konnte man die Frauenwalder sehen. Hier ein paar Dachziegel eingesetzt, dort einen Zaun repariert. Beete angelegt, Fensterrahmen gestrichen. Das Häuschen konnte sich wieder sehen lassen. Bald ging es an größere Aufgaben. Eine Kanalisationsanlage wurde gebaut. Blumenrabatten angelegt, der Marktplatz mit einem Springbrunnen verschönert. Das Freibad wurde zum größten Teil durch freiwilligen Einsatz im Nationalen Aufbauwerk wieder erneuert.

Das ehemalige Berghotel wurde als FDGB-Ferienheim „Raymonde Dien” großzügig ausgebaut. Die Bedeutung als Urlaubsort stieg von Jahr zu Jahr, sodaß in den 80er Jahren jeder froh war, einen Urlaubsplatz hier zu erhalten. Zudem wurden die zentralen Einrichtungen wie Bergbad und Armeeheim weiter ausgebaut, und auch die Privatzimmer nahmen ständig zu. 1900 waren es 40 Erholungssuchende einer besseren Gesellschaft, die es sich leisten konnte, irgendwo ihren Urlaub zu verbringen. 1934 waren es 1000 Gäste, 1938 fast 7000 Urlauber; Frauenwald stand in der Reihe der anerkannten Kurorte nach der Zahl der Gäste an ö.Stelle. Dann kam der Krieg, aber unmittelbar nach Kriegsende ging es wieder aufwärts. 1951 waren es 6055 Gäste, 1952 -8885 Gäste und 1954 = 14628 werktätige Urlauber, die Frauenwald besuchten.
Es war klar, daß die Einheit der beiden Teile Deutschlands neue Maßstäbe setzte. Es ist für jedermann sichtbar, daß sich Frauenwald der nun großen Konkurrenz anderer Urlaubsorte stellt. Die Arbeit der Gemeinde war dabei hervorragend, die Infrastruktur wurde wesentlich verbessert, und jeden Tag geht es Stück für Stück weiter.

Die Frauenwälder sind, wie überhaupt die Bergbewohner des Thüringer Waldes, eng untereinander verbunden. Schon 1611 in dem Erbhuldigungslibell der Grafschaft Henneberg kommen viele Namen der noch jetzt in Frauenwald weit verbreiteten Familien vor, z.B.: Kahl, Pfeuffer, Hanf, Schmidt; später kamen Namen wie Keßler, Kühnlenz, Häußer, Blau, Lusky hinzu. Nach dem Kriege 1939-45 kamen Familien aus dem Osten hinzu und dann auch Namen wie Kittel, Stephan, Steinbeck, Gramatzki, Kahler, Pfennig, Schröfel, Wilm, Hoffmann, Klotzbügel und viele andere mehr. Es ist bewiesen, daß sich diese Familien zu allen Zeiten immer wieder durch Heirat zusammengeschlossen haben. Der Zustrom von außen war sehr gering und dann zumeist nur aus der näheren Umgebung. In diesen Bergdörfern herrschte zu allen Zeiten tiefe Not, wie aus alten Akten und Urkunden immer wieder zum Vorschein kommt. Vielmals wurde aus Gnade und Barmherzigkeit den armen Einwohnern das zu zahlende Gefälle u.d.g. erlassen. Wie sollte auch das Arbeiten im Forst, der Bergbau und das winterliche Herstellen der Wichsschachteln und Bütten Reichtümer bringen? Der wenige nebenberufliche Ackerbau wurde zu sehr durch die ungünstigen Witterungsverhältnisse gehemmt. – Es ist hier oben ein zu langer Winter und ein kurzer Sommer. Erst mit Beginn der Industrie in Frauenwald ging es den Einwohnern etwas besser. Doch brachten Krisen und Absatzschwierigkeiten des 19. Jahrhunderts wieder Arbeitslosigkeit.

Gewissenhaft wurden die Vorschriften der vorbildlichen Bestimmungen der Landesordnung von 1539, die auf germanisches Recht zurückgreifen, erfüllt. Nach dieser hatten die Ehebrecher(innen) außerordentliche strenge Strafen zu erwarten. Beim ersten Ehebruch mußten sie 8 Tage nur bei Wasser und Brot und 4 Sonntage nacheinander unter der Kirche (während des Gottesdienstes jedermann zum Exempel) stehen. Beim 2. Male 4 Wochen bei Wasser und Brot an den Pranger gestellt und aller Ehren entkleidet. Beim 3. Male drohten noch härtere Strafen, oft die Todesstrafe.

Auch war das Rauchen in der Öffentlichkeit, vorallem auf der Straße, wegen der Brandgefahr so nah am Walde bis in die neueste Zeit hinein verboten (wenigstens bis 1863). Mit viel größerem Nachdruck hatte die Kirche früher das Tabakrauchen überhaupt unterbunden, wie ein Erlaß des Hennebergischen Konsistoriums vom 12. Dezember 1653, der an sämtliche Geistlichen erging, beweist.

Der Erlaß wandte sich gegen das im 30 jährigen Krieg durch spanische Soldaten nach Deutschland gebrachte Tabakrauchen, das auch in Henneberg bei vielen Bewohnern Nachahmung gefunden hatte.

Die Gewerbe, die wir in Frauenwald kennenlernen, hängen mit dem Wald und seinem Holzreichtum zusammen. Der Wald gab den Holzleuten und Kohlenbrennern den notwendigen Lebensunterhalt. Viehzucht wurde fast gar nicht betrieben. Die von Hans Sachs am 31. März 1483 bei Frauenwald erbaute Glashütte (er hatte dafür der hennebergischen Herrschaft soviel Trinkgläser zu liefern als man benötigte), ging aber bald wieder ein.

Eine weitere Glashütte, die am Ort gestanden hat, dürfte noch älter sein. Davon gibt uns aber keine Nachricht und keine Urkunde Zeugnis. Neben den Holzbauern, Glashändlern und Köhlern gab es am Ende des 18. Jahrhunderts ein lohnendes Vorspann- und Fuhrwesen. Da diese Fuhrmänner zumeist auch noch Weinhändler waren, so sollen sie für die damalige Zeit sehr wohlhabend gewesen sein. Ja, anno dazumal, als noch kein Dampfroß oder ein Kraftwagen die Höhen des Gebirges überwand, als noch die Landstraße der Hauptverkehrsweg war, da blühte das Geschäft der Weinhändler und Fuhrleute. Die Weinhändler fuhren auf zwei-rädrigen Karren neun bis zehn Wochen von der Heimat fort und holten die viel gefragten Rhein- und Frankenweine, ja sogar Weine aus Frankreich. Ihre Absatzgebiete waren Sachsen bis zum Erzgebirge und Brandenburg.Erst in den Jahren um 1850 ließ der Weinhandel nach; dafür wurden Spirituosen, Rum und Arrak besonders nach Bayern hin gehandelt. In der sächsischen Zeit stand der Salzhandel und Verkauf nicht unter dem Verkaufsrecht des Staates, man nützte diese Zeit und holte dieses unentbehrliche Gewürz barrenweise in die Heimat. Von der Nordsee wurden Seefische und dergleichen mehr herbeigeschafft. Es soll jedoch an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, daß die allerreichsten Weinhändler zu allen Zeiten in Hinternah gewohnt haben.

Der Bau der Eisenbahn untergrub den Wohlstand dieses Gewerbes und damit auch die Existenz einer Reihe anderer Berufe, die auf den Fuhrbetrieb eingestellt waren, z.B. der Schmiede, der Wagner, der Vorspänner, der Huf- und Waffenschmiede sowie der Wirtshäuser. In den weiteren Jahrhunderten gab es in Frauenwald Leinenweber, bei einem einträglichen Flachsanbau, der jedoch wieder zum Erliegen kam. Ferner hielt 1825 die Porzellanmalerei durch Johann Günter Kessler ihren Einzug. Auch ein paar Kammacher hatten sich hier niedergelassen. Es ist heute für uns fast unvorstellbar, welche ungeheure Arbeit zu leisten war, um mit Kammachen den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen. Ein Kamm kostete 6 Pfennige und in einem Arbeitstag wurden in 12 Stunden 50 Kämme hergestellt. Bald schon gingen diese Gewerbe wieder ein und die meisten Einwohner ernährten sich durch Harzscharren und Holzhauen. In der strengen Winterzeit wurden zu Hause Wichsschachteln gefertigt, die nach Schleusingen und Schmiedefeld geliefert wurden. Am Bohrstuhl wurden bis in das 19. Jahrhundert die Holzröhren gebohrt. Erst die eigenliche Entstehung der Glasindustrie ließ den Ort aufblühen und wachsen. Nachdem 1862 Theodor Kühne aus Stützerbach die Glasindustrie sowie die Verarbeitung von Glas an Lampen nach Frauenwald gebracht hatte, wurden weitere Glasfabriken gegründet. Im Fraubachtal entstand 1884 eine Glashütte, die vielen Einwohnern Arbeit und Brot gab. 1887 brannte diese Glashütte nieder. Sie wurde dann neu errichtet und schloß 1930 für immer ihre Pforten. Inzwischen war am Riesenhaupt die Glashütte von Ernst Schübel 1922 erbaut worden. Auch diese wurde am 20. Juni 1953 wegen Facharbeitermangel und die dadurch bedingte Unrentabilität für immer geschlossen. Doch alle anderen Glasbetriebe haben sich danach prächtig entwickelt und lieferten ihre Präzisionsgeräte in alle Welt.

Ortschronik

Gesicherte historische und wissenschaftlich nachweisbare Belege fehlen, und die Zeit vor dem 13. Jahrhundert bleibt für unsere Ortschaft im Dunkel der Geschichte. Lediglich einer Sage nach verirrte sich im Jahre 1117 Graf Poppo von Henneberg während der Jagd in der heutigen Frauenwalder Umgebung. Er wurde von einem Köhler wieder auf die alte Erfurt- Nürnberger Geleitstraße zurückgebracht, an die Stelle, wo sich heute die Kirche bendet. Der Graf ließ daraufhin aus Dankbarkeit an dieser Stelle eine Kapelle errichten, die nach dem Schutzheiligen der Fuhrleute „Nikolauskapelle“ genannt wurde.

Die erste schriftliche Erwähnung der Kapelle zu Sankt Nikolaus findet sich in der „Hennebergischen Chronik“ von 1599. Hier wird glaubhaft berichtet, dass im Jahre 1218 der Hennebergische Graf Poppo XIII. dem Kloster Veßra diese Kapelle übertrug. Das bei Schleusingen liegende Prämonstratenser-Kloster baute sie dann zu einer Propstei mit Nonnenkloster aus. Das Jahr 1218 ist also die erste urkundliche Erwähnung der Ansiedlung der „Frawen uff dem Walde“, aus der der heutige Ort Frauenwald entstand.

„Wann aber und warum dieselben sich eine so wüste Wohnung als der Gegend auf der Höhe des Thüringer Waldes, und zwar fast in dessen Mitte, ist, indem der Rainsteig etwa eine halbe Stunde vom jetzigen Dorf vorbei passieret, zwischen Ilmenau und Schleusingen auf dem halben Wege erwählet, kann ich nicht sagen. Wenn ich aber eine Mutmaßung geben sollte, so wollte ich fast glauben, es hätten dazumal, als das Kloster Trostadt Anno 1177 mit Nonnen aus dem Kloster Veßra besetzet worden, etliche derselben aus sonderbarer Andacht ein ganz einsames und von der Welt fast überall abgesondertes Leben sich gefallen lassen…“.

Aus den „Schriften des Hennebergischen Geschichtsvereins“,
Nr. 5, Jahrgang 1912, „Geistliche Niederlassungen in und um Frauenwald“

Es ist anzunehmen, dass es einige wenige Nonnen waren, die sich hauptsächlich karitativen Aufgaben widmeten, beispielsweise der Pflege von Kranken, dem Lesen von Seelenmessen für Verstorbene oder auch der Bewirtung und Beherbergung der durchreisenden Händler. In dieser herausfordernden Umgebung waren die Frauen gezwungen, pragmatisch zu denken. Um 1323 wird von der Kirche „St. Nicolai auf dem Walde“, einem Frauenkloster und einem Rasthof berichtet. Um Kirche und Kloster siedelten sich nach und nach die ersten Bewohner an. Das waren vermutlich fränkische Fuhrleute und Kaufherren sowie Waldarbeiter, Köhler, Schmiede und Bergleute, die in dürftigen Hütten wohnten.

Reste des bei Bauarbeiten 2001 gefundenen Knüppeldammes stammen aus dem 13. – 14. Jahrhundert (lt. Thomas Grasselt, Archäologisches Denkmalamt Weimar) und zeugen von der Besiedlung und Straße.

Um 1500 lebten ungefähr 130 Einwohner hier, die sich zwischen der Kirche und der
bereits 1475 gegründeten herrschaftlichen Schenkstatt, am heutigen Park „Frohe Zukunft“,
ansiedelten.

Über die belebte Handelsstraße, auch Frauen- oder Hohe Straße genannt, gelangten so
berühmte Personen wie die Gräfin Sophie zu Henneberg (1575), Herzog Wilhelm von Sachsen-
Altenburg, der mit 34 Personen und 20 Pferden im Treuterschen Gasthof logierte (1602), und
selbst Martin Luther zog diese Handelsstraße entlang, die auch Pilgerstraße war.

Während der Kardinal von Gurk noch 1512 die Nikolaikirche mit dem Recht auf Ablasshandel
ausstattete, fand das Frauenstift 1520 sein Ende. 1555 verlässt Wolfgang Döll, der letzte
Mönch, den Ort. Frauenwald blieb jedoch kirchlicher Mittelpunkt auf den Höhen des
Thüringer Waldes. Es war das Jahrhundert der Reformation, einer für uns heute unverständlich tiefen
Frömmigkeit, aber auch dem zunehmenden Drang nach mehr Wissen.

Dank der Erfindung des Buchdrucks um 1450 konnte Martin Luther ein Jahrhundert später seinen geistlich verändernden Gedanken einen großen Verbreitungsraum verschaffen. Ungefähr auf halbem Wege zwischen der katholischen Hochburg Erfurt und dem neuen Streben aufgeschlossenen Handelsplatz Nürnberg konnte somit auch das kleine Bergdorf Frauenwald, bedingt durch seine Lage, vom reformierten Gedankengut Kenntnis erlangen.

Der erste Schritt, auch den armen Wäldlern Bildung zukommen zu lassen, wurde 1592 mit der
Schaung eines „Schulhäusleins“ getan und begründete damit eine 400-jährige bis in das Jahr
2001 reichende Schultradition im Ort.

Von 1618 – 1648 stürzte der Dreißigjährige Krieg auch Frauenwald in unendliches Leid. Während es vor Kriegseinbruch 360 Einwohner und 58 Häuser gab, waren es 1646 nur noch 139 Einwohner und 23 Häuser. Das schwedische Heer unter Gustav Adolf marschierte in den Jahren 1631 und 1632 mit einem Tross von 70.000 Menschen durch das kleine Bergdorf. Sie plünderten, steckten Häuser in Brand, verwüsteten Felder und Wiesen.

Das florierende Fuhrwerks- und Gasthauswesen kam zum Erliegen, das Brauhaus war von Soldaten zerstört worden, Zolleinnahmen entfielen. Über viele Jahre dauerte das erlittene Kriegstrauma an.

Land und Leute waren Spielball der Mächtigen. 1718 fiel das Amt Schleusingen, also auch Frauenwald, aus 62-jähriger Verwaltung durch Herzog Moritz zu Sachsen-Zeitz wieder an Sachsen. Eine Episode besagt, dass im Auftrag August des Starken der damalige Schultheiß am 23. Juli 1732 durchziehende, protestantische Glaubensüchtlinge aus dem Fürsterzbistum Salzburg mit 4 Eimern Bier kostenlos versorgen musste. Gasthöfe besaßen hier an der stark frequentierten Straße immer eine Schlüsselposition. Bis 1699 war der einzige hiesige Gastwirt gleichzeitig Schultheiß und Zolleinnehmer, aber auch für die Instandhaltung der Waldstraße verantwortlich. Vom 17. – 19. Jahrhundert sicherte ein umfangreicher Flachsanbau, der an Ort und Stelle zu Leinen und Öl verarbeitet wurde, den Bewohnern ebenfalls ein gutes Einkommen.

Am heutigen Ortseingang, dem sogenannten „Bohrstuhl“, wurden über zwei Jahrhunderte bis 1885 Holzstämme gebohrt, um Wasserleitungen verlegen zu können. Neben den Holzbauern, Köhlern, Schachtelmachern, Schmieden und Mühlenbetreibern gab es Ende des Jahrhunderts ein lohnendes Fuhrwesen. Händler transportierten u.a. Glas, Wein, Salz, Spirituosen, Gewürze und Seesche. Von 1712 – 1841 verkehrte wöchentlich zweimal die Fahrpost von Leipzig – Ilmenau – Schleusingen über Frauenwald. Aus dem „Knöllesmarkt“, einem herrschaftlichen Jagdhaus, entstand 1735 das erste deutsche Glashüttensyndikat „Franzenhütte“ des Franz Wenzel. Die Hütte stand all-zu-nahe an den anderen Glashütten in Stützerbach. Sie brannte bereits 1750 ab und wurde nicht wieder aufgebaut.

Einem Herrn Bellermann, 1758 durchreisenden Kunstmaler und Händler aus Erfurt, verdanken die Frauenwalder die Erkenntnis, dass sich die Kartoffel zu nahrhaftem Essen verarbeiten lässt. In der Nacht vom 7. zum 8. August 1778 brach ein Brand aus, der die Schule und das Pfarramt mit allen Büchern sowie der alten Chronik vernichtete.

Das vorher sächsisch verwaltete Amt Schleusingen fiel 1815 an Preußen. Veränderungen vollzogen sich auch durch den Neubau der Kunststraße Ilmenau – Schleusingen 1841 und Schmiedefeld – Suhl in den Jahren 1847 – 49. Die alte Handelsstraße verlor an Bedeutung und ließ den Durchgangsverkehr sterben.

Neben den alten Gewerken wie dem Holzhauen und Harzscharren, dem Herstellen von Holzschindeln, Kämmen, Schachteln und Kienrußfässchen, also Arbeiten für einen Hungerlohn, entwickelte sich die profitablere Porzellanmalerei und Glasherstellung. 1875 wurden bereits 30 Glasbläser beschäftigt, die zunächst noch an der Wachs-, später Petroleumlampe arbeiteten, um hauptsächlich Thermometer herzustellen. Die erste Glashütte („Annahütte“) entstand 1884 im oberen Fraubachtal. Bäcker, Fleischer, Weber, Schneider, Sattler und Zimmerleute begründeten die bis ins 20. Jahrhundert reichende auskömmliche Zunft der Handwerker.

Kein Jahrhundert zuvor wurde von so gewaltigen Veränderungen erschüttert. Radikale politische Umbrüche und zwei Weltkriegstraumata, aber auch die rasante industrielle Entwicklung hinterließen tiefe Spuren. Der Bau eines Hochbehälters und die Verlegung einer neuen Eisenrohrleitung im Jahre 1911 sicherte eine stabile Wasserversorgung.

Die Inbetriebnahme der Kleinbahn „Laura“ 1913 sorgte 52 Jahre lang zuverlässig für den notwendigen Eisenbahnanschluss zur Verbindungsstrecke Ilmenau – Schleusingen. Sie beförderte auch die wachsende Zahl an Erholungssuchenden, die für zusätzliche Einnahmen im Beherbergungs- und Gaststättenwesen sowie dem Handel sorgten.

Eine profitable Produktion von Laborglas in zahlreichen Unternehmen brachte den Frauenwaldern das Jahrhundert hindurch erstmalig ein zufriedenstellendes Auskommen. 1922 entstand die Glashütte am Riesenhaupt, es entwickelten sich selbstständige Glasbläserunternehmen, welche sich besonders auf Laborglas, Kunstglas, Glasschleifen und Glasschreiben spezialisierten.

1942 als „Waldfrauenkraut Robert Schmidt GmbH” gegründet, entstand das heutige Familienunternehmen Ewald Haarkosmetik, dessen Erzeugnisse Frauenwald über die Grenzen Deutschlands hinaus berühmt machten.

In der 2. Hälfte des Jahrhunderts boten die Holzverarbeitungsstätte des Otto Schmidt, die Produktion von elektrischen Spezialglühlampen, etliche Handwerker und Geschäfte die Möglichkeit für Beschäftigung und Verdienst.

Frauenwald war ab den 70er Jahren ein Zentrum für Wintersport, aus der in den nächsten Jahrzehnten eine Reihe erfolgreicher Sportler hervorgingen, darunter auch DDR-Meister im Langlauf und Alpine-Kombination.

Mit dem Aus- bzw. Neubau der Schule, der Kinderkrippe, des Kindergartens und des ehemaligen NVA-Erholungsheimes belebte sich das Bergdorf weiterhin.

Wohin wird uns das noch junge digitale Jahrhundert führen? Wird trotz zunehmender Abwanderung in die Städte, der Schließung von Schule, der meisten Unternehmen und vieler Geschäfte eine lebenswerte dörfliche Struktur erhalten bleiben?

Die Bilanz ist so schlecht nicht: Erneuerte Fahrbahnen, Gehwege, Gas- und Trinkwasserleitungen, die weiches Licht streuende Straßenbeleuchtung, modernisierte Beherbergungsstätten, die 2017 fertiggestellten Wohneinheiten in der Mitte des Ortes, unsere Schinkel-Kirche und die stets gepflegten Wohnhäuser und Grundstücke bilden ein attraktives Ortsbild. Der Komplex des ehemaligen NVA-Erholungsheimes konnte nach Jahren des Leerstandes und Verfalls abgerissen und das Gebiet renaturalisiert werden. Damit vermittelt der Blick auf das südliche Frauenwald wieder eine harmonisierende Wirkung.

Eine Zahnarztpraxis und mehrere verbliebene Kleinunternehmer, vornehmlich Handwerker, überlebten. Engagierte Gastronomen, ein Sportplatz, die modernisierte Turnhalle, Rosenbergers Reiterhof, viele Kilometer Wanderwege oder präparierte Loipen im Winter bieten Erholung für Körper und Geist.

Die jüngsten Einwohner werden liebevoll im Kindergarten betreut. Sie können auf dem Spielplatz hinter der Kirche toben oder abwechslungsreiche Spielmöglichkeiten auf dem Kinderwanderweg „Zwergenpfad“ entdecken. Ideal für Jung und Alt ist auch der 3km kurze Erlebnisweg „Laura-Bahn“ entlang des alten Bahndammes, angelegt mit schönen Spielstationen und Infotafeln. Seit 1995 werden alljährlich im Winter Schlittenhunderennen ausgetragen, die Tausende Zuschauer anziehen.

Der größte Trumpf allerdings ist nach wie vor der Wald. Frauenwald liegt in der Mitte eines der beliebtesten Höhenwanderwege Deutschlands, dem Rennsteig, sowie im Kerngebiet des von der UNESCO anerkannten Biosphärenreservats Thüringer Wald. Hierher zieht es ein nationales und internationales Publikum, das die Stille und sauerstoreiche Luft auf kilometerlangen Wanderwegen genießen kann.

Vielleicht liegt ja die Zukunft, fern von Lärm und Smog, gerade hier?

Und warum heißen alle Frauenwalder „Hasen“?

In den Wirren der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848 kam es selbst im kleinen Schleusingen zu Krawallen auf dem Markt und einer großen Volksversammlung. Die Wäldler waren besonders ungehalten über die strengen Forstgesetze.

Aber die Einwohner von Frauenwald weigerten sich angeblich, mit nach Schleusingen zu ziehen, sich an den Auseinandersetzungen zu beteiligen und die Gefangenen aus der Fronfeste zu befreien.

Man sagte, sie seien Angsthasen, später wurden sie nur noch als „Hasen“ bezeichnet.

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